Hingabe kultivieren und entspannter im Beziehungsalltag miteinander harmonieren

9 Aspekte In Bezug auf das Geben und Empfangen in Liebesbeziehungen

Wenn wir unsere Verbindung(en) aktiv und bewusst gestalten wollen, ist es sehr hilfreich, unsere weiblichen und männlichen Anteile immer gut im Blick zu haben. Viele ordnen das "Geben" dem männlichen Teil und das "Empfangen" dem weiblichen Teil zu, es gibt aber auch matriarchische Gesellschaften, in denen diese Zuordnung genau anders herum erfolgt.

 

Wie auch immer wir das für uns einordnen: Wenn wir lernen uns mit beiden Energien zu verbinden, wird sehr schnell deutlich, in welchen Bereichen Herausforderungen angezeigt sind und wo etwas nicht in uns in der Balance ist. Meistens wird uns dann erstmal schmerzhaft bewußt, welche Anteile verletzt sind oder in uns einen Konflikt aufwerfen. 

 

Wir alle tragen beide Aspekte in unterschiedlichen  Ausprägungen in uns. Ihr seht schon, und ihr habt vielleicht ein wissendes Lächeln auf den Lippen, dass sich hier eine Menge Konflikte aufstauen und anbahnen können. Wer gibt etwas und wer nimmt? Wer hat mehr in den Ring geworfen und wer lässt es sich hier auf meine Kosten gut gehen? Wer lässt mehr Nähe zu und wer geht immer auf Distanz? Und schon sind wir mitten im Thema!

 

Aber nicht vergessen:

  

Beide Anteile, das Geben und das Empfangen, sind Teile der Hingabe und innerhalb von Partnerschaften oder in Liebesbeziehungen gibt es bestimmte Grundsätze die es uns einfacher machen in diesem komplexen Feld gemeinsam als Gebende und Empfangende zu wirken und in einem fruchtbaren Dialog zu sein. 

Wie ihr mit den neun Aspekten arbeiten könnt:


1. Aufmerksamkeit

leitet uns zu spüren, was wir brauchen und was unserem Gegenüber gut tut. Sie hat zwei Gesichter: Anspannung und Entspannung.

 

Der Aspekt des Gebens fordert uns auf, wach und präsent zu sein. Der Aspekt des Empfangens zeigt uns: Der Andere ist genau so, wie er gerade da ist perfekt. Aufmerksamkeit fordert auf, die Veränderungen in meinem Gegenüber wahrzunehmen und bei Irritationen den Mut für einen Dialog mit dem Gegenüber aufzubringen.


2. ENGAGEMENT und Entschlossenheit

hingegen sind der Motor, für die Partnerschaften genau das zu tun, was ansteht. Sie fördern das Zugehörigkeits - und Teilhabegefühl, lassen uns Selbstwirksamkeit erfahren und geben uns und dem Gegenüber das Vertrauen, aktiver und passiver Teil zugleich sein zu dürfen.

 

Der Aspekt des Gebens fordert uns hier auf, Antrieb und Aktion, auch in Situationen in denen uns das vielleicht schwer fällt, einzubringen.(Hier wäre besonders der stressige Alltag, die Kinder oder die viele Arbeit zu nennen :-))

Engagement ist eine wichtige Komponente der Hingabe; es ist der „laute Teil“. Sie wirkt durch die Entschlossenheit aktivierend und stimulierend auf das gemeinsame Erleben und ist das Salz in der Beziehungssuppe.

 

Der Empfangende ist eingeladen, die Energie die der Andere einbringt, wertzuschätzen. In Resonanz mit dem Engagement des Anderen zu treten bedeutet dann oft, über unseren Schatten zu springen und die Energie nicht nur aufzunehmen, sondern auch aktiv mitzuerleben. Also freu dich über die Kraft deines Partners und bremse sie nicht aus, weil es dir gerade zu viel ist. Und wenn, dann setze dich einen Moment hin und überlege, was für dich eine gesunde Abgrenzung ist und vor allem wie du es ansprichst um den anderen nicht in seinem Engagement einzuschränken. 


3. Das Erkennen der EINFACHHEIT

im Geben und Empfangen bringt uns zu einer Ursprünglichkeit, die an vielen Stellen in unserer Gesellschaft ein kompliziertes Gebilde angenommen hat. Hier befinden wir uns in dem schon oben benannten Fragespiel, wer gibt hier mehr und wer weniger u.s.w.

 

Wir haben, sei es durch psychologische, spirituelle und wissenschaftliche Erkenntnisse oder auch durch Glaubenskonstrukte verkompliziert.

 


4. Anteilnahme

bedeutet in der Verbindung mit dem Gegenüber immer wieder Interesse und aktives Zuhören zu praktizieren oder wieder aufleben zu lassen."Was den Anderen beschäftigt berührt mich und leitet mich großzügig mit meiner Zuneigung zu sein." Dieser Aspekt ist besonders eng mit dem Ego verknüpft. Er lässt uns gerne stolpern oder sogar vergessen, wie wichtig sie ist. In unserer narzisstischen Gesellschaft wirklich ein besonderer Hinschauer wert!

 

Geben hat hier etwas mit Zeit schenken zu tun: Empfangen und Zulassen, Annahme von Hilfe und Rat, ein gemeinsamer intensiver Dialog u.s.w. Auch sich verletzbar zeigen zu können ist eine Facette, die in ihrer gelebten Konsequenz Anteilnahme intensiviert und auf der Herzenseben den gemeinsamen Raum erweitert. 


5. Zärtlichkeit

ist im Bereich der Hingabe das Band, das gemeinsam trägt und der Blick, der offen hält für die Schönheit des Gegenüber.

 

Auf der körperlichen Ebene den anderen Körper zu ehren und ihn stets neu zu entdecken ist so wichtig für eine glücklichen Beziehung. Der Empfangende kann diesen Prozess unterstützen, indem er äußert, was er braucht und mit welchen Berührungen er sich wohl, geborgen und erregt fühlt.


6. Wildheit

 

ist ein weiteres Element im Prozess, Hingabe zu kultivieren. Sie ist Leidenschaft pur in all ihren Formen. 

 

Als Gebender kann hier ausgelebt werden was aus Scham, Schuld oder aus Rücksichtnahme unter Umständen unterdrückt wird. Als Empfangender kann ein Raum aufgehen, der neue Erfahrungen spürbar und Bedürfnisse erkennbar werden lässt.  Oft liegen diese in ungeahnten Bereichen.


7. Bereitschaft

ist die Wurzel der Hingabe.

 

Das Geben ist hier emotionalem Einsatz pur. Das Empfangen ist auf einer subtileren Ebene angesiedelt, es gilt anzuerkennen und zu schätzen, was das Gegenüber bereit ist zu teilen.  


8. Das Taktgefühl

ist der kognitive Prozess der Hingabe. Gleichzeitig ist es erfrischend sich von einigen Glaubenssätzen zu lösen. Hierzu gehören z.B. „Störungen haben Vorrang“ oder aber auch „Der richtige Moment ist entscheidend“. Beides kann den natürlichen Dialog mit sich selbst und dem Anderen behindern.

 

Allerdings:

 

Der Gebende und der Empfangende Part sind gleichsam gefordert abzuwägen, wann ein Thema in den gemeinsamen Raum kommen darf und wann es eher von Bedeutung ist, sich allein mit einer Herausforderungen auseinander zu setzen. Taktgefühl bezeichnet das Gespür für sich selbst und den anderen. Der Gebende, der in diesem Zusammenhang oft mit einem Anliegen in die Beziehung kommt, ist in der Verantwortung für sich selbst zu sprechen während der Empfangende, der Hörende, in der Verantwortung ist, seine eigenen Anteile zu sehen, oder sich aber liebevoll abzugrenzen.

 

Hingabe in diesem Teil des Prozesses ist gelebte Achtsamkeit. 

 


9. DIe Güte

 

ist die ständige Begleiterin der Hingabe. Sie ermöglicht Sanftmut, Freigebigkeit und Einfühlungsvermögen. Die Güte ist kein ideeller Wert sondern will ein ganz lebendig gelebter Teil sein. Güte ermöglicht uns, unterschiedlichen Bedürfnisse sowohl in uns selbst, als auch in der Partnerschaft, in Einklang zu bringen. Großzügigkeit kann dadurch zu einem aktiven Element in der Beziehungskultur werden.


 In diesem Sinne wünsche ich allen ein kraftvolles Spiel mit den Wandlungsphasen der Hingabe in all ihren Facetten.

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